Wenn das reale Leben zur Nebensache wird – und man Online lebt

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Facebook, Twitter, Google+, WhatsApp – wer kennt diese Begriffe von Kommunikationsplattformen nicht? Zumindest meiner Generation sind sie ins Blut übergegangen, und wenn man dann ankommt mit „es gibt ja auch ein Festnetz-Telefon“, wird man wohl eher verwundert angeschaut (ja, ich besitze noch solch ein „Steinzeit-Telefonanschluss“, weil ich mein Handy eher nutze wenn ich unterwegs bin, und nicht zuhause – aber das ist eine andere Geschichte).

Und, als kleiner Disclaimer – dieser Eintrag ist keine Kritik an jemandem oder einer Gruppe an Menschen oder so, es ist einfach nur ein kleiner Erfahrungsbericht von mir und eine kleine Zusammenfassung meiner Gedanken.

Ich stehe auf, und nachdem ich meinen Wecker ausgeschaltet habe – was mache ich da wohl? Genau, ich schaue mir meine Notifications für Facebook, Twitter und WhatsApp an, die mein handy mir netterweise alle gesammelt anzeigt. So bin ich direkt im Bilde davon, wer welchen meiner Beiträge gut findet, wer was zu sagen hatte und und und. Es ist mein Start in den Tag zu schauen, was so in meinem (erweiterten) Freundeskreis los ist. Hat ein bisschen was von Zeitung lesen, wenn auch persönlicher.

Ich bezeichne diese Angewohnheit als Marotte, die ich eigentlich nicht haben will, aber irgendwie hat es sich so eingebürgert. Und ich weiß, dass es Statistiken gibt, die genau dieses Verhalten bei sehr vielen in meiner Altersklasse festgestellt haben – wenigstens bin ich kein Einzelfall. Ob es das aber besser oder schlechter macht, das lasse ich einmal offen.

Man teilt immer und überall, was man denkt (ja, auch hier im Blog – aber wenigstens etwas ausführlicher), tut, sieht und und und – Twitter ist dafür ja die Nummer 1 wenn es darum geht, mit nur wenigsten Zeichen so viel zu sagen wie möglich – meistens verteilt man damit Informationen, die eigentlich nicht sonderlich spannend sind, wirklich diskutieren kann man nicht, argumentieren schon gar nicht, aber eine nette Plattform ist es trotzdem, wenn es darum geht die Langeweile zu beenden. Denn das ist genau dann, wenn ich Twitter nutze – Bus, Bahn, Zug, beim Warten – kurzweilig, man braucht keine lange Aufmerksamkeitsspanne, nix. Und manchmal kommen lustige Sachen zusammen, dass muss man sagen. Aber am Ende des Tages ist und bleibt es ein Marketing-Tool für sich selbst, auch wenn die wenigsten dies so sehen. Man verkauft sich selbst, präsentiert sich auf dem silbernen Tablett…

Persönlicher und damit auch mehr ein Favorit von mir ist da Facebook – ich habe viele Freunde, verteilt über die ganze Welt. Telefonieren? Vergesst es, Zeitverschiebung, Telefonkosten, unpraktisch und einfach nicht machbar. Was ist da besser, als im Chat zu schreiben? – das denken sich viele, leider auch so einige, die neben einander in der Bahn sitzen und sich gegenseitig schreiben anstatt sich wie normale Menschen zu unterhalten. Das kann ich nicht verstehen, und will es auch weder verstehen noch akzeptieren. Ein solcher Chat kann und wird nie ein echtes Gespräch ersetzen können – denn Smileys werden nie wirkliche Emotionen ersetzen können, sie zeigen nicht die andere Person, die getippten Worte haben nicht die Stimme des gegenüber – und genau das ist das, was Chats so unpersönlich macht.

Sie gaukeln einem Nähe vor, auch wenn am Ende tausende Kilometer zwischen einem sind – das kann schön sein, aber ich finde es wirklich ernüchternd, wenn man nur *umarm* schreiben kann, es aber am liebsten machen würde anstatt es nur zu schreiben. Bei mi hinterlässt es oft ein Gefühl von Leere. Von all den Missverständnissen, die auftreten weil man eben Köpersprache und Stimme und Mimik/Gestik nicht sehen und hören kann, darüber muss ich gar nicht sprechen. Das kennt wohl jeder – ein zweideutiger Smiley, eine unglückliche Ausdrucksweise, und schon fliegt einem alles um die Ohren, weil Sender und Empfänger nur das getippte Wort und einen dummen Smiley haben. Zu viel Spielraum für Interpretation.

Interpretations-Probleme, gefakte Nähe – und trotzdem hängen wir alle an diesen Medien, als wäre es unser letzter Strohhalm. Manch einer so sehr, dass es Memes dazu gibt, die sagen Den verschwommenen Rand um das Smartphone nennt man übrigens LEBEN!“…Und genau das Leben bevorzuge ich, auch wenn Facebook, Twitetr und Co. ein nettes Extra sind, die es leichter machen ganz unkompliziert mit Leuten zu kommunizieren – ein persönliches Gespräch würde es bei mir aber nie ersetzen, denn es gibt nichts Schöneres, als reale Emotionen im Gesicht des Gegenüber zu sehen, die Stimme zu hören…

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One Response to Wenn das reale Leben zur Nebensache wird – und man Online lebt

  1. SilentSnow says:

    Ein sehr schöner Auftakt für ein neues Bloggerjahr.

    Und die Antwort auf Segen oder Fluch eines zunehmend digitalisierten Alltags liegt doch in dem, was jeder Einzelne daraus in der Lage ist zu machen, oder?

    VG

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