Schlankheitswahn – Schuld der Medien? Schuld der Gesellschaft?

2015-01-14 18.26.43

Letztens habe ich einmal den Fehler gemacht, mir die TV-Werbung anzuschauen, und war…geschockt:

Werbung für Schönheitsoperationen und ein 10-Wochen Hardcore Abnehmprogramm (Imakeyousexy) – beides zu Zeiten, wo Jugendliche wohl am Meisten vor der Flimmerkiste sitzen, zumindest war dies damals bei mir der Fall.

Es wird geködert mit „dann fällt es deinen Freunden auf und du bekommst Komplimente“ und dem generellen Getue, dass ja gar nichts dabei sei, wenn man sich für das ideale Aussehen unters Messer legen würde – wäre ja auch völlig risikofrei (das wird einem suggeriert) und so alltäglich wie wenn man auf die Toilette geht. Gleiches gilt für „nehme 20kg in 10 Wochen ab“ – sorry, aber das ist nicht gesund, und ich höre den Jojo-Effekt schon „hier hier hier“ schreien, aber man hat ja in der Zeit das Gewicht abgenommen, daher alles rechtlich im grünen Bereich.

Auf der anderen Seite sehe ich Model-Casting-Shows, wo man Skelette mit Haut drüber sieht, denen gesagt wird „du musst mehr Sport machen, du hast hier zu viele Pölsterchen“ – da wo ich nur noch hervorstehende Knochen sehe und keine Fettpölsterchen. Dann schaue ich auf die Präsentation von neuer Mode, und sehe…genau das gleiche, laufende Skelette. Da stelle ich mir dann öfter die Frage: „ist das noch gesund?“. Klar, zu viel Gewicht mit sich rumzutragen ist auch nicht gesund, aber keiner kann mir erzählen, dass es auch nur im geringsten besser ist so dünn zu sein wie das, was uns die Models so präsentieren. Aber da kommt man dann zur Frage „dünn? Oder mit Kurven? Aber was sind genug und was sind zu viele Kurven? Kräftig gebaut? Dick?“ – was ist das denn am Ende des Tages? Das ist Ansichtssache, denn für den einen sind es genug Kurven, für den anderen sieht es aus wie ein Stock (der ja bekanntermaßen nicht wirklich Kurven hat) und so weiter – und genau das ist, was auch die Läden einmal begreifenm sollten.

Dieses „Ideal“ dem die Mode und daher dann auch gezwungenerweise die Läden hinterherlaufen ist ein „Ideal“, was einem aufgezwängt wird – man muss dünn sein, Kurven, ja, ein bisschen, aber ja nicht zu viel.

…und genau das spiegelt sich in den Kleidergrößen und Kleiderschnitten wieder. In den letzten 10 Jahren hat sich so einiges getan, was die Größen angeht. Was vor 10 Jahren noch ein „M“ war, ist jetzt ein „XL“ bei vielen Kleidungsstücken. Wieso ich das behaupten kann? Weil ich durchaus Kleidungsstücke von der gleichen Marke und Linie habe, von damals und von heute – und da ist mir genau das ins Auge gestochen. Auch spielt bei Bekleidung ein anderer Faktor mit rein was die Schnitte und Größen angeht: das Produktionsland. Asien dürfte von vielen Kleidungsketten der bevorzugte Herstellungsort sein, und so fallen dann auch die Schnitte und Größen aus – was u.a. mich vor wirkliche Herausforderungen stellt, da ich weder schlank, noch zerbrechlich gebaut bin. Da kann ich dank des seltsamen Schnitts gut und gerne mal eine bis zwei Kleidergrößen noch oben drauf packen – falls es das Kleidungsstück in solch einer so unverschämt großen Größe dann überhaupt noch gibt (ja, ich mit meinen Maßen gehe meistens in der Abteilung für Übergrößen einkaufen), da der normale Mensch ja nicht so breit sein kann.

Doch, kann er. Und das auch ohne Übergewicht. Man beachte auch die Blicke der Leute, wenn man in die Übergrößen-Abteilung geht, abwertend, irritiert, mitleidig – mir persönlich tun diese Leute auf Grund ihres Verhaltens leid, aber ich bin da auch abgebrüht. Es gibt sicherlich Leute, die sich für diesen Gang schämen und solche Blicke machen es nicht besser, sondern verstärken das Unwohlsein-Gefühl nur noch mehr, und das kann ich auch voll und ganz nachvollziehen. Da geht man schon in den Laden, findet nichts in der Abteilung wo all die „Normalen“ einkaufen, muss in die mit dem hässlichen Wort „Übergrößen“ betitelten Bereich und dann wird man wie ein Tier im Zoo begafft – liebe Gesellschaft, da könnt ihr etwas dran ändern. Daran sind nicht die Medien oder die Models Schuld. Nehmt ein anderes Wort anstatt „Übergröße“, trennt es nicht vom Rest des Ladens ab sodass man sich nicht mehr so fühlt als würde man in einen Bereich für Fette gehen.

Die Beispiele könnten so weitergehen, wenn es darum geht wie die Gesellschaft (die u.a. auch die Meiden beeinflusst und macht) das Schönheitsideal mitprägt und damit sich dann auch selbst an die Nase fassen kann, wenn Kinder und Jugendliche abrutschen.

Fazit: Wer nicht gerade so erzogen wurde, dass man ein ausgeprägtes Selbstbewusst sein und eine „ist mir egal“-Einstellung gegenüber solcher Einflüsse hat…da wundert es dann kaum, dass viele Jugendliche versuchen sich runterzuhungern und dadurch dann in Krankheitsbilder abrutschen, die wohl jedem bekannt sein dürften.

Und ich will definitiv nicht so weit gehen, dass nur die Medien daran Schuld sind – denn es kommt auch immer drauf an, welche Werte und alles man von seinen Eltern und seinem direkten Umfeld mit auf den Weg gegeben bekommt.

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