Fans und „ihre“ Stars – soziale Netzwerke & die Sucht nach Aufmerksamkeit

Jeder kennt es wohl – man findet jemanden, einen Star, total toll. Hier in diesem Fall geht es um Musiker und Bands, da ich da so einige Erfahrung sammeln konnte und viel mitbekommen habe.

Dass auf Konzerten purer Wahnsinn herrscht, das überrascht niemanden – Teenager, Erwachsene, Familienmütter – ich denke es wird immer wieder deutlich, wie viel mehr weibliche Fans sich in dieses Fan-Sein begeben als männliche. Statistisch belegt – wie immer nicht, aber auf meinen Beobachtungen basiert.

Dass ich es seltsam finde, dass ich erheiratete und erwachsene Frauen auf Konzerten sehe, wie sie weinend und/oder kreischend vor Musikern stehen, das konnte ich noch nicht verbergen. Und versuche es auch gar nicht – aber das ist die „Hitze“ des Moments, da kann man gut und gerne mal ein oder beide Augen zu drücken.

Was ich aber noch spannender zu beobachten finde ist, wie sich Fans gegenüber „ihren“ Stars auf sozialen Netwerken (Facebook, Instagram, besonders Twitter) verhalten. Liebesbekenntnisse vor allen, Streits darüber wer der beste Fan ist – das permanente Betteln nach Aufmerksamkeit, egal wie. Ein Retweet, der gefeiert wird als hätte man einen Heiratsantrag bekommen, jeder zweiter Tweet wird irgendwie an diese Person gerichtet, es wird immer wieder darum gebettelt, dass der Star dieser einen Person vor allen anderen Aufmerksamkeit gibt.

Ist es der Drang, im Mittelpunkt stehen zu wollen? Sich besser als die „anderen niederen und unwichtigen“ Fans zu fühlen? Denken zu können, dass man eben nicht nur irgendein Gesicht in der Menge ist?

Manch einer hat es geschafft, sich dank diesen Netzwerken richtig dahinein zu steigern, dass der Musiker ja immer erreichbar ist – nur eine Nachricht entfernt, die Erwartungen auf Antworten und jegliche Reaktionen sind hoch (was übrigens nicht selten die Musiker stresst) – denn „es ist ja nicht viel dabei einmal schnell etwas zu tippen“. Bekommt man keine Reaktion, so ist der Frust vorprogrammiert, man schreibt mehr, öfter, versucht noch mehr die Aufmerksamkeit des Musikers auf sich zu ziehen – und das um jeden Preis. Provozierend, schleimend, aufreizend – da werden alle Registerkarten gezogen, ohne zu bemerken, dass dies alles nicht wirklich etwas bringen muss. Es gibt kein „Erfolgsrezept“. Je weniger Fans dem Musiker folgen, desto größer natürlich die Chance gesehen und gehört zu werden – bei größeren Bands und Musikern wird es dann schon zum Hochleistungssport.

Egal um welche Tages oder Nachtzeit – wenn mancher Fan feststellt, dass es öfter zu gewissen Uhrzeiten klappt mit der Reaktion, dann wird halt wachgeblieben, früher aufgestanden, der Tagesbalauf angepasst. Krankhaft? Ja, das ist es – zumindest in meinen Augen. Wenn der Drang nach dieser Art von Aufmerksamkeit den Tagesablauf bestimmt, und einen mental so beeinflusst, dann ist es schon fast eine Sucht. Ohne geht es nicht mehr, es muss immer öfter etwas zurückkommen, immer mehr zurückkommen, immer mehr besonderes zurückkommen – nur dann ist der Tag ein guter Tag, und nur nach eben dieser Rückmeldung kann man sich auch getrost ins Bett legen und/oder sich anderen eigentlich wichtigeren Dingen des Alltags zuwenden.

Manchmal braucht es mehr Glück und manchmal weniger, dass ein Musiker auf den eigens verfassten Tweet auch reagiert – aber mal ehrlich. Diese armen Menschen bekommen hunderte, tausende oder noch mehr Tweets pro Tag – selbst wenn sie es wollten, wirklich auf jeden können sie nicht reagieren, denn der Tag hat nur 24 Stunden und die Person nur einen Kopf und zwei Arme mit Händen.

Ich persönlich habe begonnen, Leute die ihr Leben auf diesem Fan-sein einzig und allein aufbauen und dies zur Schau stellen zu entfolgen und von meinen Profilen zu löschen. Wieso ich das getan habe? Ganz einfach: ich kann damit nichts anfangen, es könnte nicht weiter weg von meinem eigenen Leben sein. Ich bin auch Fan – aber hauptsächlich von der Musik die geschaffen wird; sind die Musiker, die dahinter stehen, auch noch nett – dann ist das wie die Sahne auf der eh schon guten Torte. Aber es wird nie das wichtigere sein – denn am Ende bezahlt ihr einen Handwerker ja auch nicht dafür, dass er Small Talk mit euch macht während er eure Heizung repariert, oder?

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