Ein Unglück – und was die Medien daraus machen

Ich habe den Beitrag gestern geschrieben, aber wollte ihn nicht veröffentlichen – denn zwei Beiträge am Tag wären etwas zu viel.

Wie immer spiegelt der Beitrag nur meine eigene und ehrliche Meinung wieder, ihr müsst nicht zustimmen – aber nehmt meine Meinung wenigstens hin und akzeptiert sie.

Wenn Bilder alles sagen – oder es zumindest sollen

Es gibt Momente, wo ich mich Frage, ob gewisse Fotografen überhaupt wissen, was das Wort „Gewissen“ bedeutet – ja, ich formuliere es absichtlich so, da es meine Gedanken sind. Fotos und Videos von den Trauernden, also den Angehörigen, Freunden, Kameraden, Bekannten, Arbeitskollegen der Verunglückten – es wird gezeigt, wie sie sich weinend in den Armen liegen. Teilweise, oder überwiegend, kann man die Gesichter sehen, sie sind klar und deutlich sodass alle Welt diese vom Schicksal gebeutelten Leute erkennen können. In ihrem ganzen Schmerz, in ihrer Verzweiflung. Als Fotograf oder Kameramann sollte man sich überlegen, wie man sich fühlen würde, wenn man in dieser Situation wäre und dann von eben solchen Leuten belagert werden würde. Man will in Ruhe verarbeiten oder erst einmal begreifen, was da gerade passiert ist – und man will sich nicht am nächsten Tag im Fernsehen oder auf den Titelblättern irgendwelcher Zeitungen sehen – und das sind leider nicht nur Schundblätter, sondern auch renommiertere Zeitungen verfallen leider einmal mehr in diese „Sensationsgeilheit der Menschen ausnutzen“-Schiene. Und das ist ziemlich widerwertig. Ja, sie liefern nur das, was angeblich die Welt sehen will – aber würde die Welt es sehen wollen, wenn sie denn keine Chance hätte, diese Bilder auch zu bekommen? Es ist ein Kreislauf, den einmal jemand aufbrechen muss – und da sind leider die Medien am längeren Hebel. Aber so wie es im Moment scheint , finden sich ja auch immer Leute, die ihre Kamera für Geld zücken und solche unethischen Sachen machen. Ich habe keinerlei Respekt für solche Personen, für mich sind es Leute, die keinerlei Ahnung vom Leben haben und vollends ignorant sind. Denn – gäbe es kein Geld dafür, würden wohl auch diese Damen und Herren kaum so viele Bilder davon machen, aber hey, für Geld macht man ja alles…wartet mal, klingt irgendwie nach Prostitution, oder? Auf irgendeine Art und Weise ist es das auch, zumindest in meinen Augen.

Davon einmal abgesehen: Die Medien finden es prima, auch Privatfotos des Beschuldigten zu zeigen – wieso? Um dem „Grauen“ ein Gesicht zu geben, damit sich die ganze Welt ein Bild machen kann? Wieso werden Fotos vom Haus der Eltern gezeigt, sie veröffentlicht, sodass eventuell dieser Ort als Anlaufstelle für alle funktionieren kann? Nein, ich verstehe diesen Zug nicht, vielleicht weil ich es auch einfach nicht verstehen oder im Ansatz nachvollziehen. Davon abgesehen frage ich mich, inwiefern es rechtlich überhaupt erlaubt ist, Privatfotos ohne Erlaubnis im Fernsehen auszustrahlen.

Geld für Worte – weil: anders geht es ja nicht

Wer spricht schon gerne mit den Medien, besonders wenn man in irgendeiner Art und Weise von sowas betroffen ist – da muss man dann mit Scheinchen winken, und versuchen so die Freunde der Verunglückten zum Reden zu bringen. Immer mit der Hoffnung, dass die Schmerzen, der Hass wundervoll im TV rüberkommen würden. Wenn man dann auch noch Schüler, also Minderjährige, versucht so zu ködern und das obwohl sie Schulkameraden verloren haben, ist einfach nur pietätslos. Und ich würde mir wünschen, dass man so etwas unter Strafe stellen könnte.

Beschuldigungen, Behauptungen und Stimmungsmache

Es ist einmal wieder soweit, dass selbst eigentlich seriöse Zeitungen und Agenturen mit ihren Artikeln und Facebook-Updates und allem Dinge verbreiten, die mich zum Kopfschütteln bringen. Es werden Halbwahrheiten, Unwahrheiten, verdrehte Aussagen und all so ein Scheiß gnadenlos als Wahrheit verkauft – und natürlich finden solche Aussagen viel Anspruch von den Lesern, denn Sensationsgeilheit liegt leider in den Genen vieler. Und leichtgläubig sein ohne Dinge zu hinterfragen ist ja auch leichter als sich mit einer Thematik wirklich auseinander zu setzen. Kleine Wörter machen hier oftmals viel aus – ob man schreibt „sie sind“ oder „sie wären“, da liegt viel dazwischen. Welten, wenn es um Beschuldigungen oder Anschuldigungen geht. Aus einem „vielleicht“ wird da schnell ein „es ist so“ – und das ist nicht fair. Besonders in diesem vorliegenden Fall, wo so viel im Dunkeln liegt und so vieles unsicher ist und man sich bisher nur auf wenige Anhaltspunkte stützen kann – aber da die Welt ja einen festen Schuldigen braucht, und das schnell, so wird dann eben aus Unsicherheit eine Wahrheit gebaut – nicht nur von den Medien, sondern auch gerne von den Ermittelnden und den Regierungen – diese halten sich aber immer noch mehr zurück als es die Medien tun, natürlich. Da wird die eigene Wahrheit aufgebaut,

Rassismus und Terrorismus

Wenn ich Sätze höre wie „Wenn so etwas passiert und es ein Weißer war, dann war es ein Unglück oder ein Suizid, wäre es kein Weißer, dann wäre es ja sofort Terrorismus“. All diesen Leuten würde ich es gerne nahelegen, sich zu informieren, was der aktuelle Ermittlungsstand ist, denn zur Zeit scheint es eben so zu sein, dass durchaus schon in diese Richtung ermittelt wurde und man nun einmal zu dem Schluss gekommen ist, dass es keine Verbindung gibt. Auch kann ich nur sagen: Leute, informiert euch über Terrorismus und was dieser Begriff wirklich bedeutet, was die Gründe dahinter sind und was eben nicht. Solche Aussagen zeigen aber wieder auch einmal, dass Rassismus oder zumindest das Gefühl, dass Rassismus allgegenwärtig ist, wirklich zutrifft – da wird sofort verallgemeinert, und vergessen dass all die Betitelungen von ehemaligen Unglücken, die eben als Terror-Akt betitelt bezeichnet wurden, durchaus nicht aus purem Leichtsinn eben als solche bezeichnet wurden. Es hat rein gar nichts damit zu tun, ob jemand „weiß“ ist oder eben nicht, ob es Terrorismus ist oder eben nicht. Aber das geht in die Köpfe vieler einfach nicht hinein, so gefangen sind sie in ihrem „Rassismus ist überall“.

Der Hass schwappt auf Social Media

Der Hass ist allgegenwärtig – nachdem die erste Schockstarre und die Betroffenheit gewichen sind, werden die z.B. Facebook-Beiträge immer hasserfüllter. Es tauchen sehr viele Facebook Pages auf, auf denen es um den Beschuldigten geht – gespickt mit Hass, und zwar nicht nur gegen ihn sondern auch gegen seine Familie. Inklusive Privatfotos, privater Informationen. Und Facebook sitzt es wieder aus, anstatt diese Seiten, die gemeldet werden, zu entfernen. Klar wäre es ein Kampf gegen Windmühlen, aber es wäre ein Zeichen – ein Zeichen dafür, dass ein solcher Hass nicht unterstützt wird, dass ein solcher blinder Hass keinen Platz hier hat. Aber lieber bietet man eine Plattform für eben all diese Leute, die sich in ihren Hass hineinsteigern, obwohl sie nicht im geringsten betroffen sind.

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