Angst vor Spritzen? Aber du bist doch tätowiert!

„Sie haben Angst vor Spritzen? Aber ich habe doch gesehen, dass Sie tätowiert sind“ – ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich genau diesen oder einen ähnlichen Spruch beim Arzt hören durfte.

Ja, ich habe Angst vor Spritzen. Panische Angst davor, um genauer zu sein. Und ja, ich bin tätowiert, an den Ohrläppchen und auffälliger auch am Rücken. Und ich zeige das gerne, wieso sollte ich es auch verstecken wenn ich beim Arzt bin – es ist ja keine Schande. Oder ziehen andere ihre Ohrringe aus? Nein. Von daher…Aber das ist hier gar nicht das Hauptthema.

Auf jeden Fall habe ich sehr oft solche Fragen gehört, wenn man mich zur Schlachtbank, oh sorry, zum Blutabnehmen oder aber Impfen geführt hat. Für mich gleicht dieser Gang so ziemlich dem zum Henker oder Todesstuhl. Der bloße Gedanke daran führt dazu, dass sich bei mir alles innerlich zusammenzieht und die Vorstellung einer Spritze (besonders der Nadel) schafft es, dass mir schwindlig wird. Und nein, ich mache keine Mücke zum Elefanten. Und ich steigere mich auch nicht hinein oder bin zimperlich, und stelle mich auch nicht an.

In diesem Blog-Beitrag möchte ich einmal erklären, wieso Spritzen und Tätowier-Nadeln nichts miteinander zu tun haben…

 

Das Aussehen

Da ich keine selbstgemachten Fotos von Spritze und Tätowiernadel habe, kann ich euch keine Fotos präsentieren – aber da es ja diverse Suchmaschinen gibt, werdet ihr dort fündig werden. Aber dort werdet ihr dann auch den Unterschied recht schnell sehen – eine Tätowiernadel sieht (zumindest in meinen Augen) wesentlich harmloser aus, wesentlich „stumpfer“ und ungefährlicher als eine Nadel die man auf die Spritze packt. Klar spielen da auch Erfahrung und Erwartung etc. noch mit dazu, wie man eben einen gewissen Gegenstand sieht, aber dazu komme ich später noch.

Durchführung, Gefühl und Erwartung vom „Ergebnis“

Die Spitzennadel geht nicht nur durch die Haut, sondern wesentlich tiefer – der Impfstoff muss ja in einer gewissen Art und Weise gespritzt werden, und das Blut sprudelt ja auch nicht sofort raus wenn man mal an der Oberfläche der Hautschichten kratzt und zB die Betäubung muss ja die Nerven erreichen. Das ist eine Geschichte von „wie tief dringt die Nadel in den Körper ein“ und genau das beeinflusst natürlich auch, wie es sich anfühlt. Man merkt natürlich, wie tief die Spritze dann doch im eigenen Körper ist, und ein tolles Gefühl ist das definitiv nicht – denn wer hat schon gerne einen solchen Fremdkörper in sich. Ich zumindest definitiv nicht.

Beim Tätowieren ist das etwas anderes – man merkt zwar, dass quasi die oberen Hautschichten verletzt bzw. angekratzt werden, aber man merkt auch, dass es trotz aller Vibrationen (besonders schön über der Wirbelsäule z.B., denn da übertragen die sich in diversen anliegende Knochen) eben nicht so tiefgehend ist wie bei einer Spritze. Man merkt, dass einem nicht etwas tief in den Körperteil gerammt wird.

Was beide Vorgänge gemeinsam haben – man sollte sich nicht bewegen. Einmal aus Schönheitsgründen und einmal, weil man sonst die Spritzennadel richtig fies im Arm spürt.

Und dann ist da der Zustand in dem man eben diesen spitzen Gegenständen „begegnet“ und was Sinn und Zweck der Sache ist. Ich fange mal wieder mit dem Negativbeispiel (für mich) an: Ich gehe zum Arzt, was ich schon schlimm genug finde, dann sitze ich zwischen all den Kranken um mir dann meine lästige Impfung abzuholen, und danach meinen Arm erst mal stundenlang nicht bewegen zu können. Oder aber die Blutabnahme – ich bin krank, und mein Arzt möchte wissen, was mein Blutbild so zu sagen hat. Das heißt, mir geht es eh schon mies, ich bin kaputt, das lange Warten hat mich geschafft und ich will nur ins Bett – und dann schleifen sie mich zur Blutabnahme um danach entweder was Schlimmes festzustellen, oder aber zu sagen „die Werte sind gut“ aka „hätten wir also nicht testen müssen“. Klingt super, oder?

Und dann zum Vergleich jetzt das Tätowieren. Du bist gut gelaunt, in freudiger Erwartung. Lange Wartezeit hat man meistens nicht, man sieht was man nach der „Qual“ dann schönes haben wird. Und dann geht es los. Entweder man sitzt oder liegt, meistens ganz bequem. Wenn man sich nicht gerade eine Horror-Stelle (Empfindlichkeit!) ausgesucht hat, ist der Vorgang ganz entspannt – auch wenn es dann halt doch länger als das Impfen oder Blutabnehmen dauert (1:0 dafür). Und wenn man dann fertig ist, sieht man dann wofür man sich hat quälen lassen, die perfekte Belohnung eben. Klar, die haut braucht mehr Pflege und ein bisschen Schonung, aber da hat man dann wenigstens das ganze Leben etwas davon (beim Impfen und Blutabnehmen ja nicht).

Meine Erfahrung

Als Kind wurde ich beim Blutabnehmen gequält, weil der nette Arzt einfach keine gute Vene finden konnte – komplett zerstochen wurde ich. Und da fing dann die Freude und Liebe über Nadeln an. Verständlich, wenn man quasi zerstochen wird, oder? Weiter ging es dann mit Ärzten, die auch nicht gerade die Champions beim Impfen waren, und der Einstich sehr gut zu spüren war. Dann kam da auch noch der Kieferchirurg, der mir die Betäubungsspritzen in den Mund rammte, und einfach komplett den Inhalt reindrückte, anstatt erst ein oder zwei Tropfen herauszudrücken (die bloße Erinnerung löst gerade Schwindel aus) damit es quasi schon leicht betäubt ist bevor der Rest kommt – denn das brennt verdammt stark. Auch ist es halt nicht so toll, wenn man die Nadel quasi vor den Augen schwingen sieht, einfach gruselig. Da helfen auch keine schönen Gedanken mehr – man weiß ja, was da auf einen zukommt.

Beim Tätowieren ist das anders, denn dort habe ich mich beim Studio SkinWorks in Köln (Achtung, Schleichwerbung!) immer in sicheren Händen gefühlt. Und auch zu Recht. Die kleinen Sternchen auf den Ohren waren leicht gestochen, keinerlei Schmerzen, keinerlei Probleme, aber dafür eine umfangende Erklärung wie das alles so abläuft. Und sowas hilft ungemein. Dann kam meine Tätowierung auf dem Rücken, größer, aufwändiger, länger. Ich war nervös, auch wenn ich wusste, dass ich einen super Tätowierer hatte. Aber wieder wurde alles erklärt, und als es losging, war ich komplett entspannt – ich wusste, was kommt und wusste auch, dass ich in guten Händen bin und habe es auf mich zukommen lassen. Und das Ergebnis kann sich auch sehen lassen, finde ich.

Noch Fragen?

Ich habe das jetzt mal aus meiner Sicht geschildert, wieso ich die Ausgangsfrage einfach nur nervig und überflüssig finde (ich versuche hier bewusst das Wort „dumm“ zu verwenden) – man kann es einfach nicht vergleichen, aber das wissen die meisten nicht. Denn wer beschäftigt sich schon eingehend mit Tätowierungen und dem Tätowieren als Tätigkeit wenn er nicht gerade selbst ein starkes Interesse an Tätowierungen oder dem tätowiert werden hat?

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