Bundesjugendspiele – Kinder, Leistungsdruck und Konkurrenzkampf

Vor einigen Wochen gab es die Diskussion, ob man die Bundesjugendspiele nicht abschaffen solle – losgetreten von besorgten Eltern. Daraufhin brach eine Welle von Zustimmung aber auch Kopfschütteln los, alle diskutierten wild drauf los. Und zwar auf allen Social Media Kanälen.

Jetzt, wo die Schule bald wieder losgeht, da die Sommerferien vorbei sind, und die ganze Diskussion etwas ruhiger geworden ist, will ich einmal meinen Standpunkt vertreten und auch Verbesserungsvorschläge bringen. Blinde Kritik liegt mir in solchen Fällen nicht.

Vornweg will ich einmal sagen – ich habe jegliche Urkunden, die man haben kann. Von der schlechtesten Urkunde bis hin zur Besten. Ich bin nicht dran gestorben, aber Spaß hatte ich keinen.

Meine Kritik

Es geht immer darum, der Sieger zu sein. Besser, weiter, schneller – das ist alles, was zählt. Auch hier. Und das Schlimme ist, dass dieser kranke Ehrgeiz und Alleinkämpfer-Denken schon an so junge Kinder weitergegeben wird. Im jüngsten Alter werden sie getrimmt: du musst das gut können, und wir trainieren uns daran zu Tode. Egal ob es Spaß macht oder nicht. Man muss halt. Nein, man muss nicht. Man muss Spaß beim Sport haben, damit man nicht später eine Abneigung dagegen entwickelt. Alle beschweren sich immer darüber, dass Kinder immer dicker werden und weniger Sport machen. Ja, wieso wohl? Weil ihnen der Spaß am Sport nie gezeigt wurde, weil sie es als lästige Sache ansehen, die man halt machen muss, wenn man gezwungen wird. Und genau das ist der falsche Ansatz – das ist so, als würde man von Anfang an das Alphabet falsch lernen, und sich dann wundern, wieso man nicht richtig schreiben kann.

Wie erwähnt – Konkurrenzkampf. Wir sind schon so verblendet, und daran gewöhnt, dass überall krankhafter Konkurrenzkampf im Leben herrscht, dass es für uns normal ist. Und uns auch nicht auffällt, dass es für Kinder vielleicht nicht so psychisch gesund ist, wenn sie diesem Drück schon so früh ausgesetzt sind. Es sind Kinder, keine Kampfmaschinen – man kann und darf sie nicht mit uns Erwachsenen vergleichen. Klar kommen da wieder ein paar Schlaumeier daher und sagen so daher „uns hat es ja auch nicht umgebracht“. Das ist schön, und freut mich. Aber nicht jeder ist gleich, und darauf sollte man besonders in der Schule noch drauf achten bzw. es einfach versuchen. Konkurrenzkampf werden sie noch genug haben im Leben, wieso kann man ihnen das unbeschwerte Kinderleben nicht einfach noch etwas länger lassen, besonders weil in der Schule ja eh schon Leistungsdruck in Form von Noten herrscht.

Jeder kämpft für sich alleine, um die Gunst der Beste zu sein – Fehler machen? Schwächen haben? Unerhört, und das ist nicht nur das, was von vielen Lehrern vermittelt wird, sondern auch von Mitschülern und am Schlimmsten: von vielen Eltern. Wer will schon gerne in das enttäuschte Gesicht seiner Eltern schauen, wenn sie sehen, dass es nur für eine Teilnahme-Urkunde gereicht hat? Will man sich dem Spott der Mitschüler aussetzen? „Ich hab die und du nur die? Hahaaaa“. Braucht kein Mensch, besonders nicht in dem Alter, wo sich der Charakter noch so arg biegen und beeinflussen lässt.

Meine Vorschläge

Ich persönlich finde, dass viel zu wenige junge Leute es wirklich kennen, wie toll es ist in einem Team zusammenzuarbeiten; sie haben es verlernt, an einem Strang zu ziehen. Man ist zum Einzelkämpfer geworden, und genau das könnte man mit den Bundesjugendspielen durchbrechen. Wieso muss es ein Einzelwettkampf sein – man kann doch prima Teams zusammenstellen, und es zu einem Teamwettkampf werden lassen. Der jeweilige Lehrer stellt die Team zusammen, sodass sie ausgeglichen sind, es nicht ein Team gibt wo alle alles können, und dann ein Team voller nicht so sportlichen Kindern. Der Modus? Entweder, jeder macht immer noch jeden Sport mit, oder aber man teilt es auf, wer was macht – sodass sich keines der Kinder im Team schlecht für seine Leistung fühlen muss. Denn jeder hat Stärken und Schwächen, und das ist nicht verwerflich. Man muss nicht alles können, man muss nur wissen, dass man dann einfach im Team gemeinsam stark ist, weil jeder Einzelne andere Stärken und Schwächen mitbringt.

Das wäre also Vorschlag Nummer eins, und Vorschlag Nummer zwei folgt sogleich: mehr Disziplinen. Wie wäre es mit Geschicklichkeit? Mit Konzentration? Es gibt Sportarten, da muss man nicht nur schnell sein, weit werfen oder weit springen. Da braucht man Konzentration und auch Geschicklichkeit. Und solche Sportarten machen vielen Kindern Spaß. Und das ist das, worum es gehen sollte beim Sport machen, denn nur dann kann man motiviert sein.

Holt die Familien direkt mit dazu – wer kann besser anfeuern als die eigenen Eltern? Aber bitte sicherstellen, dass kranker Ehrgeiz zuhause bleibt. Es geht um Unterstützung, und eben nicht um „immer der Beste sein“.

Der letzte Vorschlag wäre: lasst die Kinder nicht in der Hitze brüten, rennen, springen und werfen. Das ist nicht nur ungesund, es macht auch wirklich keinen Spaß mehr – wer will das schon bei 30°C im Schatten machen? Genau, niemand. Wie wäre es mit einer alternativen Zeit für die Wettkämpfe? Ausweichtermine planen, Wettervorhersagen studieren – das Beste draus machen.

Fazit

Lasst die Bundesjugendspiele weiterhin bestehen – aber bitte, arbeitet daran. Es hat Potential, aber man kann etwas draus machen, was nicht nur sportlicher Wettkampf sind, sondern auch noch einfach altersgerecht Spaß machen kann!

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